Forschungssupervision

Supervision für Interviewer_innen, teilnehmende Beobachter_innen, Feldforscher_innen

Qualitative Sozialforschung wie ethnografische Kulturanalyse basieren auf der Verschriftlichung empirisch erhobener Daten: Transkripte von Interviews, Beobachtungsprotokolle, Deskriptionen von Artefakten, Feldtagebuchnotizen. Textproduktion wie Erkenntnisprozess sind an die Person der Wissenschaftlerin gebunden, gehen quasi durch sie hindurch.

Den produzierten Texten ist folglich Subjektivität eingeschrieben. Dieser subjektive Blick wird nun jedoch nicht als möglichst zu minimierender Störfaktor betrachtet. Vielmehr enthalten Texte gerade wegen der individuellen Perspektive des Forschers hochrelevante Aussagen über das Feld. Verdichtete Beschreibungen ermöglichen es, die latenten Aspekte des Forschungsthemas aufzuspüren und zu deuten.

Die Forschungssupervision stellt Methoden für diese Auseinandersetzung bereit, wobei der Zugang weniger über die Ratio erfolgt, sondern mehr über Emotionen. Die Supervision will dazu befähigen, die eigenen affektiven Regungen – z.B. Abwehr, Unbehagen, Frust, Sympathie, Peinlichkeitsgefühl – im ersten Schritt bewusst und im zweiten Schritt einer weiterführenden Interpretation zugänglich zu machen.

Ein verbreiteter Vorbehalt gegen diese Vorgehensweise ist, dass es sich hierbei um eine unwissenschaftliche Selbstbespiegelung handele. Dem widerspreche ich auf der Grundlage meiner mehrjährigen Supervisionserfahrung: Ausgangspunkt der Reflexion sind zwar die subjektiven Lesarten des in die Supervision eingebrachten Datenmaterials. Auf dieser Grundlage werden aber in der Supervision bislang unentdeckte Parallelen zwischen den individuellen Wahrnehmungen des Ethnografen und den charakteristischen Merkmalen des Feldes aufgezeigt. Man arbeitet sich nicht an den eigenen emotionalen Befindlichkeiten ab, sondern diese werden für den Prozess der Interpretation der erhobenen Daten erschlossen.

Hier finden Sie Fallbeispiele, die Ihnen Einblicke in die Forschungssupervision geben. Sie sind aus Gründen des Datenschutzes zwar verfremdet, aber dennoch realitätsnah. In den FAQ werden weitere Detailfragen zur Forschungssupervision beantwortet.

In diesem Aufsatz können Sie sich ein umfassendes Bild von Forschungssupervision machen: Becker, Brigitte / Eisch-Angus, Katharina / Hamm, Marion / Karl, Ute / Kestler, Judith / Kestler-Joosten, Sebastian / Richter, Ulrike A. / Schneider, Sabine / Sülzle, Almut / Wittel-Fischer, Barbara (2013): Die reflexive Couch. Feldforschungssupervision in der Ethnografie. Zeitschrift für Volkskunde. 109. Jahrgang 2013, Heft 2, S. 21-44

Die Forschungssupervision findet

– persönlich (in Berlin),

– telefonisch (via Skype) oder

– im „virtuellen Beratungsraum“ der Forscherei (Einzel-Chat) statt.